Hintergrund......

Ursprung der Fasnacht

Die Fasnacht ist ein jahrhunderte alter Brauch.
Ihren Ursprung findet sie im Mittelalter.

Von der Kirche geduldet, durften sich die Menschen noch einmal so richtig austoben, bevor sie die nächsten 40 Tage fasteten.

Die «Fastnacht» steht für den Begriff «Vorabend der Fastenzeit».
Aber eigentlich kommt der Begriff von «fasen», dem alten Wort für «närrisch sein».

Erst viel später tauchte der Begriff Karneval, lateinisch carne vale, was so viel heisst wie «Fleisch lebe wohl» auf. Eine andere Deutung spricht von carrus navalis, dies bedeutet Narrenschiff.

Wer sich mit dem christlichen Kalender befasst, stellt fest, dass die Fasnacht als «Fest der verkehrten Welt» in eben diesem Kalender eine unverrückbare Stellung inne hat. Die Fasnacht ist unlösbar mit dem Aschermittwoch und der darauf folgenden Fastenzeit verbunden.

Und damit wäre es auch an der Zeit, das «Zweistaatenmodell» des Heiligen Augustinus, auf der einen Seite das Reich Gottes (Citas die) und auf der anderen Seite das Reich Satans (civitas diaboli), ins Spiel zubringen.
Während einer kurzen Zeitspanne, Fasnächtler nennen es auch die fünfte Jahreszeit, kann das vergängliche Reich Satans sich in aller Flüchtigkeit, Farbigkeit sowie mit drastischen Übertreibungen und Narrenprunk entfalten. Soweit jedenfalls die Interpretation aus dem Mittelalter.

Als die Feiern immer ausgelassener wurden, wuchs auch die Kritik der Kirche. An Fastnacht stellten die Bürger die normalen Verhältnisse auf den Kopf und nahmen die Obrigkeit auf die Schippe.
Im 15. Jahrhundert begannen sich die Leute zu verkleiden, um von der Strafe der Kirche verschont zu bleiben.

Die Reformation zu Beginn des 16. Jahrhunderts bereitete dem wilden Treiben vorübergehend ein Ende. In den reformierten Gebieten duldete die Kirche die Fasnacht nicht mehr und untersagte sie. Einzig in Basel wirkte das Verbot nicht.
Im Zuge der Gegenreformation billigte die katholische Kirche den Brauch ebenfalls nicht mehr.

Erst im 18. Jahrhundert lockerten sich die Verbote. Im nächsten Jahrhundert blühte die Fasnacht auch in formierten Regionen wieder auf.

Im 20. Jahrhundert entwickelten sich die verschiedenen Fasnachten. Gross inszenierte Umzüge und Bälle wurden organisiert und Musiker formierten sich zu Guggen. Die Fasnachtsbegeisterung kannte Höhen und Tiefen.
Die Phasen verliefen meist parallel zur wirtschaftlichen und weltpolitischen Lage.

Die allgemeine Tendenz ging weg von der Saal-Fasnacht mit ihren Maskenbällen, zur Strassenfasnacht. Basel perfektionierte seine Trommler- und Pfeiferszene mit den Schnitzel-bänken.
Luzern wurde nach dem 2. Weltkrieg zum Mekka der Guggenmusiken. Zürich suchte einen eigenen Weg mit dem elitären Künstlermaskenball und einer Umzugs- und Vereins-Fasnacht, die unbewusst alte Besuchsgewohnheiten aufnahm.

Seit den 1970er Jahren dehnt sich die Fasnacht auch in der evangelischen Westschweiz aus, wo einzelne Fasnachtszentren bereits im 19. Jh. bestanden (Brandons von Payerne). Dabei wurden die Termine fast beliebig: Die Fasnacht kann, ähnlich wie in Frankreich, auch im Mai stattfinden. Im Tessin gibt es immer noch die Unterscheidung zwischen der Fasnacht nach römischem und nach ambrosianischem Ritus, was damit zusammenhängt, dass das Tessin bis in die 1. Hälfte des 19. Jh. zur Diözese Como und Mailand gehörte. Die Fasnacht nach römischen Ritus dauert vom Donnerstag bis am Dienstag vor dem Aschermittwoch, jene nach ambrosianoschem Ritus vom Donnerstag bis zum Samstag vor der Fastenzeit.

Die historischen Bezüge spielen bei den heutigen Fasnachtsfeiern eine marginale Rolle. Nur noch das Umkehren der normalen Verhältnisse leben die Fasnächtler aus. So sind für einmal die Narren die Mächtigen. Der Staat, Politiker und andere Personen des öffentlichen Lebens kriegen von ihnen ihr «Fett» ab.

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